Dienstag, 18. Juli 2017

Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Sommerfest des Bundesleistungszentrums Kienbaum am 18. Juli 2017 in Grünheide

Ort:
Grünheide

Sehr geehrter Herr Präsident Hörmann,
sehr geehrte Präsidenten, Trainer, Sportlerinnen, Sportler und Gäste,
lieber Herr Nowack,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesleistungszentrums,
meine Damen und Herren,

gestatten Sie mir, dass ich aus aktuellem Anlass, bevor ich auf Kienbaum zu sprechen komme, noch ein paar Worte zu einem sehr traurigen Sachverhalt sage. Herr Peter Steudtner, ein deutscher Menschenrechtler, ist zusammen mit anderen bei einem Menschenrechtsseminar in der Türkei vor einigen Tagen verhaftet worden. Die Untersuchungshaft ist jetzt vom Untersuchungsrichter bestätigt worden.

Wir sind der festen Überzeugung, dass diese Verhaftung absolut ungerechtfertigt ist. Wir als Bundesregierung verurteilen sie. Wir erklären uns mit ihm und den anderen Verhafteten solidarisch, und wir werden seitens der Bundesregierung auf allen Ebenen alles tun, um seine Freilassung zu erwirken.

Das ist leider ein weiterer Fall, in dem aus unserer Sicht unbescholtene Menschen in die Mühlen der Justiz und damit auch in Haft kommen, und deshalb ist das ein Grund zu allergrößter Sorge. Wir werden alles in unseren Mitteln Stehende tun, um diesen Menschen und in diesem Fall Peter Steudtner zu helfen.

Ich bedanke mich, dass Sie das auch so begleiten. Denn auf der einen Seite ist Sport gerade etwas, das friedliches Zusammenleben voranbringt, und auf der anderen Seite erleben wir rund um uns herum so schreckliche Dinge, wodurch Menschen ihr freiheitliches Leben nicht führen können.

Deshalb bin ich heute auch sehr gerne hier, um ein wunderbares Stück deutscher Sportförderung zu besuchen. Dies ist mein zweiter Besuch. Der letzte Besuch liegt sieben Jahre zurück. Bei der Rundfahrt über das Gelände, Kienbaum 1 und Kienbaum 2, konnte ich mich darüber informieren, dass es auch sehr stark vorangegangen ist.

Wer ganz vorne mit dabei sein will – das gilt für viele Bereiche, aber das gilt eben für den Sport in ganz besonderer Weise –, der braucht optimale Rahmenbedingungen, und das Bundesleistungszentrum arbeitet daran kontinuierlich, auch mit Unterstützung des Staates. Wenn ich mir das hier ansehe, dann kann ich mir Fug und Recht sagen: Die Gelder sind gut investiert. In vielen Bereichen ist Kienbaum eines der modernsten Trainingszentren der Welt.

Ich habe mir gerade die Turnhalle angeschaut und den Atem angehalten bei dem, was ich gesehen habe. Ich habe die Werfer gesehen. Ich habe aber auch gehört, dass es Pläne gibt, was man sonst noch machen müsste. Es geht also auch weiter. Aber das ist hier ein Platz, von dem man sagen kann: Hier ist gelungene Sportförderung sichtbar.

Die Anlage hat sich verändert. Aber jetzt ändert sich auch noch der Name. Ab jetzt heißt es „Kienbaum – Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland“. Darin spiegelt sich natürlich ein erweiterter Anspruch wider. Denn es geht um gelungene Einheit im Sport. Da gibt es die Einheit zwischen Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Behinderung. Sie trainieren hier auf Augenhöhe. Ich konnte mir das eben anschauen, auch mit den paralympischen Sportlern.

Oh, hinter mir fällt der Vorhang, und der neue Name erscheint. Das können wir jetzt also erst einmal beklatschen.

Es ist ein Ort für viele Disziplinen. Hier trainiert der Kanufahrer neben dem Leichtathleten, die Volleyballerin neben der Judokämpferin. Weil Sie hier so viel Zeit verbringen und weil es so schön abgeschieden ist, lernen Sie sich natürlich auch kennen. Ich denke, dass auch der Austausch zwischen den verschiedenen Sportdisziplinen durchaus etwas bringen kann, dass man voneinander lernen kann, weil die Spezialisierungen natürlich wichtig sind, aber viele mentale Fragen und anderes ja auch sehr vergleichbar sind. Deshalb ist es sicherlich spannend, mit anderen zu sprechen.

Es gibt hier also vieles, was Spitzensportler brauchen. Aber wir sehen hier auch bereits den Nachwuchs trainieren. Ich habe in der Turnhalle acht-, neun-, elfjährige Jungen gesehen, die natürlich mit leuchtenden Augen auf ihre Idole, die Spitzensportler, schauen.

Viele von Ihnen bereiten sich jetzt auf die nächsten Meisterschaften vor. Wir haben über die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London und nächstes Jahr dann auch in Deutschland gesprochen. Ich darf Ihnen sagen, dass ich allen, die jetzt trainieren, die Daumen drücke, dass sie die Resultate erreichen können, die sie erreichen möchten, dass sie verletzungsfrei durch die Wettkämpfe dieses Jahres kommen und vielleicht an mancher Stelle auch sogar ein Stück über sich hinauswachsen. Man muss ja immer auf den Tag genau fit sein. Das ist auch eine große Kunst.

Ich möchte noch einmal ein Dankeschön an all die hilfreichen Menschen um Sie herum sagen, die Sie betreuen, die hier für Ihre Nahrung sorgen, die für das Pflegen dieser Anlage sorgen, die für Ihre Physiotherapie und Ihre sonstige Betreuung sorgen. Dankeschön an jeden, der bei der Erfolgsgeschichte Sport in Deutschland ein Stück mitmacht, aufbauend auf einer guten Breitenförderung. 

Ich war beim Turnfest und war begeistert, wie viele Millionen Menschen sich allein mit dem Turnen beschäftigen. Die Sportbegeisterung in Deutschland mit all den vielen Trainern und Menschen, die sich einbringen, ist etwas ganz Besonderes, das unser Land ausmacht. Da sind die Spitzensportler natürlich diejenigen, an denen sich viele ausrichten. Ganze Sportarten haben sich anhand des Beispiels erfolgreicher Sportler entwickelt. Deshalb freue ich mich, heute Abend hier bei Ihrem Sommerfest dabei zu sein.

Alles Gute! Alles Gute, lieber Herr Nowack, Ihrem Kienbaumer Sportzentrum, das Sie so hegen und pflegen. In diesem Sinne noch einen schönen Abend. Danke, dass ich dabei sein kann.

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